Unternehmengskommunikation ist keine exakte Wissenschaft. Das mussten Daniel Vasella von der Bruderschaft Novartis in Basel ebenso faustdick zur Kenntnis nehmen wie Radio Vatikan in Rom. Beide Konzerne, der Vatikan und Novartis, haben ein Kommunikationsproblem.
Ein gut beratener Daniel Vasella (Jahresbetreffnis: mehr als 20 Mio. SFr.) wäre nie auf die okulte Idee gekommen, aus ethischer Sicht regelmässig ein aktuelles Ereignis auf dem parteiischen Radio Vatikan zu erörtern. Als erster Kommentar plante Herr Vasella offenbar über «Miss- Management und falsche Personalentscheidungen» zu reden.
Es scheint, dass Daniel Vasella zur Basis der real existierenden Welt des Glaubens und der Kommunikation ein ebenso schales Verhältnis hat wie sein Kollege, Konzernschef der römisch-katholischen Kirche in Rom.
Daniel Vasella hätte verschiedene Optionen gehabt, ethisch durchdrungene Wortmeldungen an entlegener Stelle bei Radio Vatikan zu verbreiten. Novartis hätte zum Beispiel die Pille vom Markt nehmen können – und dem Verwaltungsratspräsidenten und Chef von Novartis wären bei Radio Vatikan Tür und Tor offen gestanden.
Auch Radio Vatikan standen verschiedene Optionen offen, mit Herrn Vasella doch noch eine gütliche Einigung für eine chemische Radio-Show beim Gottessender zu finden. Radio Vatikan hätte Novartis bitten können, Plazebos der Pille zu produzieren, die an Frauen der gebärfaulen Industrie- und Servicewelt gratis hätten abgegeben werden können; damit es wieder viele Kinder gibt. Ein Geschäft wären die Placebos für Novartis allemal gewesen.
Noch ist nicht bekannt, ob sich Daniel Vasella jetzt um einen Radio-Talk bei Al-Dschasira لجزيرة bewirbt. Auch dort ist Ethik ein grosses Thema.