America

Kuba

Land und Zustand

Land und Zustand

(...) No relacionar las cosas. Es uno de los señales del subdesarrollo: incapacidad para relacionar las cosas, para acumular experiencias y desarollarse. Todo el talento del cubano se gasta en adaptarse al momento. La gente no es consistente, y siempre se necesita que alguien piense por ellos. (...)

Aus: "Memorias del subdesarrollo", Film von Tomás Gutiérrez Alea – Kuba – 1968

Raul Rivero†

Raul Rivero†

23. Noverber 1945 - 6. November 2021

Genau hinschauen verboten

Der kubanische Lyriker und Journalist Raul Rivero war jahrzehntelang für die Revolution als Journalist und Reporter unterwegs. Rivero schaute in den neunziger Jahren immer genauer hin, wie es sich im Inneren der Revolution lebte. Die Befunde waren wenig schmeichelhaft. Die Staatsmacht in Havanna ging rigoros gegen Raul Rivero vor, verurteilte ihn mit fadenscheinigen Argumenten zu einer Haftstrafe von zwanzig Jahren. Nach internationalen Protesten verschiederner Staaten, von prominenten Schriftstellern wie Vaclav Havel und Günter Grass, kam Raul Rivero im Jahre 2004 nach 20 Monaten Haft zusammen mit 14 weiteren politischen Häfltingen frei. Rivero lebte in Spanien. Er starb am 6. November 2021 in Miami.

Tedio del vasallo

Raul Rivero

“Los tiranos intensos / son los breves / los fugaces. / Ésos sí son tiranos interesantes / fundadores de la inquietud. / No así estos tipos eternos y aburridos / toda la vida en el poder / tanto tiempo que uno termina por quererlos / que uno termina muerto por amor a ellos. / Que / Que uno / Que uno termina / Que uno termina muerto”.

🔊 Hören sie die Reportage
Erinnerung an ein – Tagebuch

Erinnerung an ein – Tagebuch

In einem veröffentlichten Tagebuch über Kuba schrieb ich 1998, wie Menschen an der Uferstrasse von Havanna"Libertad, Liberad" skandierten und wie ein ziviler Schlägertrupp den Ruf der unzufriedenen Menschen damals mit Schlagstöcken zum Schweigen brachte. Von offizieller Seite hiess es, nur konterrevolutionäre und von den USA gesponserte Kubaner würden an einer Demo für mehr Freiheit teilnehmen. Ein Vierteljahrhundert späte gehen in Kuba noch immer namhafte Teile der Bevölkerung mit der Losung "Libertad, Libertad"auf die Strasse. Und noch immer erklärt das offizielle Kuba, es handle sich bei den Demos um Proteste, die vom Ausland gesteuert würden. Die Welt dreht sich, und Kuba ist mit dabei auf diesem Karussell. Nicht geändert hat sich in Havanna weiter, das eine einzige politische Partei in Kuba bestimmt, was im Land geht. Früher hatten Schlagstöcke in den Händen von zivilen Schläger gereicht, um den Ruf nach Freiheit zum Schweigen zu bringen. Doch die Welt dreht sich, kein Schlagstock vermag das zu verhindern. Nirgendwo.

Fidel Castro – Ein Nachruf

Fidel Castro – Ein Nachruf

Fidel Castro war zu Lebzeiten wichtig, dass ihn die Geschichte fair behandelt. Darauf hat er allerdings keinen Einfluss mehr. Castro stellte schon früh und selbstbewusst die Maximal-Forderung für sich auf: die Geschichte solle ihn freisprechen. Die Geschichte lässt sich naturgemäss Zeit, viel Zeit, bis sie jemanden einsortiert. Das Werk, das der Revolutionär in Kuba hinterlassen hat, bleibt zwiespältig, es zerfällt in seine Einzelteile, die in den rasch sich wandelnden Verhältnissen in Lateinamerika und der Karibik kaum mehr von Dauer sein werden. Was jetzt schon geschehen ist: Die Geschichte hat Fidel Castro freigestellt.

🔊 Nachruf hören
Fidel Castro – Eine Einschätzung

Fidel Castro – Eine Einschätzung

Fidel Castro regierte Kuba von 1959 bis ins Jahr 2008 mit starker Hand. Die Epoche von Fidel Castro als Mann der Macht ist beschlossen. Es ist Zeit, die Wirkungsgeschichte, die Stärken und Schwächen des Revolutionärs im regionalen Kontext - und eingebettet im historischen Umfeld - zu gewichten. Auf der Bühne der internationalen Politik spielte Fidel Castro eine bedeutende Rolle. Die USA und Kuba nähern sich nach mehr als einem halben Jahrhundert erbitterter Feindschaft an. Zwei in sich verbissene Gegner anerkennen, dass das US-Wirtschafts-und Handels-Embargo gegen Kuba die kubanische Revolution nicht zu bodigen vermochte. Was wird von Castro und der Revolution bleiben?

Franco Cavalli analysiert Leben und Werk von Fidel Castro. Cavalli ist einer der renommiertesten Krebsforscher der Schweiz, ehemaliger Parlamentarier und Fraktionsführer der SP. Der Mitbegründer von mediCuba ist ein profunder Kenner der Revolution, von Fidel Castro und der medizinischen Leistungen des Landes.

🔊 Hören Sie das Gespräch mit Franco Cavalli
Cuba cristiano

Cuba cristiano

Oswaldo Payá Sardiñas stand der regierungskritischen Bewegung Movimiento Cristiano Liberacion vor, initiierte das Proyecto Varela, (PV). eine Initiative, welche versuchte, die kubanische Verfassung in verschiedenen Bereichen pluraler zu machen. Osvaldo Paya war Träger des Sacharow-Preises. Hören sie ein Gespräch mit dem Dissidenten.

Helfen ohne Ideologie

Helfen ohne Ideologie

Seit 2003 ist Mark Kuster in Kuba Projektleiter der Schweizer Kinderhilfsorganisatoin „Camaquito“. Noch ist die kubanische Revolution, die vor 51 Jahren begonnen hat, nicht in alle Ritzen und Ecken des Landes vorgedrungen. Und wo sie war, werden Schulen, Spitäler, Kliniken immer wieder von Wirbelstürmen bedroht und zerstört. Besonders Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen der Naturkatastrophen. Camaquito fördert in Kuba Projekte in den Bereichen Bildung, öffentliche Gesundheit, Sport und Kultur. Die Mitarbeiter vor Ort bringen sich mit ihrer Arbeitsleistung und ihren Ideen in die Projekte ein. Ein Gespräch mit Mark Kuster Version en Español, en Ingles

Seifenradio in Kuba - Radio-Novela

Seifenradio in Kuba - Radio-Novela

Radio-Novelas, Radio-Seifenopern sind in Kuba sehr beliebt. Sie behandeln immer wieder Themen, die unterschwellig im kubanischen Volk rumoren. Kuba hat bei der Entwicklung der Radionovela eine entscheidende Rolle gespielt, lange bevor Fidel Castro seine Revolution ins Land trug. Entgegen der Erwartung haben die Sachverständigen der Massenkommunikation dieses bürgerliche Überbleibsel der Radiokultur punktgenau in die revolutionäre Zwieschsprache von oben nach unten und von unten nach oben eingebaut. Mit gutem Grund.

Essen macht schlank

Essen macht schlank

Essen ist in Kuba eine ernste Sache, weil es keinen Überfluss gibt. Knappheit erfahren viele KubanerInnen jeden Tag. Die meisten Grundnahrungsmittel sind auf der Karibikinsel rationiert. Und trotzdem zaubern kubanische Köchinnen und Köche immer wieder kulinarische Köstlichkeiten auf den Tisch. Der grosse Dichter der Insel, José Lezama Lima, hat in seinem epochalen Roman „Paradiso“ das Essen in der Sequenz über die „Cena Lezamiana“ thematisiert. Das "Lezamische Abendmahl" ist monumental, wie die Revolution, aufwändig in der Zubereitung und nicht ohne Folgen.

Gott und Fidel

Gott und Fidel

Jahrzehntelang brannte das katholische Licht im revolutionären Kuba auf kleiner Flamme; bis der Comandante in Havanna begriff, dass die Religion ein mächtiger Arm der Revolution sein kann. Die Päpste machten auf ihren ausgedehnten Pastoralreisen in Lateinamerika einen grossen Bogen um Kuba. Um die Jahrhundertwende war die Zeit reif für eine minimale Annäherung zwischen Kuba und dem Vatikan.

Gott in Kuba

Gott in Kuba

Die Revolution hat mit der Religion längst Frieden geschlossen. Lange Jahrzehnte waren die Taktgeber in Havanna davon überzeugt, dass Religion in einem sozialistischen Staat castristischer Prägung keinen Platz haben kann. Die Religion hat sich als zäh und widerstandsfähig erwiesen, weil sie in Kuba so tief verwurzelt ist. Religion ist dort aber nicht in Rom verankert, sondern in Afrika, von wo die Sklaven nach Kuba verschleppt wurden. Gegen diese Referenzpunkte der kubanischen Religiosität haben Marx, Engels und die weltlichen Lehren der Familie Castro keine Chance. Die Anhänger der afrokubanischen Ausprägung von Religion werden auch dann noch trommeln, Tiere opfern, singen und tanzen, wenn der Sozialismus in Kuba nur noch eine Episode der Geschichte des Landes sein wird.

Die kubanische Revolution im Bild

Luc Chessex

Die kubanische Revolution im Bild

Die kubanische Revolution war für Fotografen einst eine Herausforderung. Luc Chessex aus Lausanne nahm sie an und flog 1961 nach Havanna. Aus dem Bilderberg wurde eine lange Geschichte - mit Brüchen. Die Fototeca de Cuba widmete Luc Chessex in Havanna nach einem Bildriss von fast 30 Jahren eine Ausstellung. Luc Chessex machte sich mit seiner Kamera vor 45 Jahren nach Kuba auf. Der junge Mann hatte Glück, traf Alejo Carpentier, den grossen kubanischen Schriftsteller jener Zeit, der damals stellvertretender Kulturminister von Kuba war.

Fidel, Raul, Obama

Fidel, Raul, Obama

Kuba darf und muss sich keine grosse Hoffnungen machen, dass sich das bilaterale Verhältnis zwischen Washington und Havanna nach den Präsidentschaftswahlen in den USA rasch ändern wird. Hören sie eine Reportage und einen Ausblick zu einer unnötigen Feindschaft.

DRS 1, Kontext Kuba Lesen

Cast away

Cast away

Sandra de los Santos fehlten die Perspektiven in Kuba, und sie wollte weg. Sie besuchte einen Freund auf eine benachbarte Insel. Von dort liess Sie sich in eine Holzkiste verpackt per DHL nach Miami fliegen. Tönt verwegen. Ist es auch. Sandra de los Santos schaffte das Unmögliche. Geschenkt wird ihr bis heute nichts.

Kubas Revolution und ihre Töne Schöne Lieder

Kuba exportierte jahrzehntelang Zucker, Rum, Zigarren und Musik. Ein Dutzend betagter Musikerinnen und Musiker erzeugen ein Bild vom sinnlichen Dasein unter Palmen. Im Stück «Chan Chan» nimmt der Komponist und Interpret, der 92 Jahre alte Compay Segundo die Zuhörer mit nach Ostkuba in die Provinz Holguın und führt sie mit tropischen Tönen und Versen durch die Ortschaften Alto Cedro, Cueto und Marcane ans blaue Meer von Mayari. Compay Segundo, der eigentlich Francisco Repilado heisst, setzt mit seinem Lied vier Ortschaften auf die Karte, die in einer geschichtsträchtigen Landschaft liegen. Das Hinterland von Mayari war während des Unabhängigkeitskrieges von 1895 bis 1898 Schauplatz wichtiger Schlachten.

"Zorry y el Cuervo" Tapes

Frank Emilo Flynn

"Zorry y el Cuervo" Tapes

Der blinde kubanische Komponist und Pianist Frank Emilio Flynn (1921-2001) war weit über die Grenze seiner karibischen Heimat bekannt. Chucho Valdes, mit dem er drei Jahre vor Emilios Tod im Lincoln Center (USA) auftrat, meinte: „Frank hat jede Pianisten-Generation seiner Zeit und den Generationen nach ihm nachhaltig beeinflusst. Frank Emilio erblindete im Alter von 13 Jahren. Emilio spielte mit den grossen kubanischen Orchestern seiner Zeit und mit zahlreichen US-amerikanischen Musikern. Frank Emilio interpretierte auch das klassische kubanische Repertoire, so die Kompositionen von Ernesto Lecuona. Die Aufnahmen enstanden an einem Live-Gig im Jazz Club „ La Zorra y el Cuervo“, Havanna.

1 2 3 4 5 6

🔊 Hören Sie die Reportage
🔊 Hören Sie die Reportage
🔊 Hören Sie die Reportage
Wenn die Volksseele spricht

Wortburgen in Kuba

Wenn die Volksseele spricht

Die Welt ist Klangkörper. Dort wo der Golfstrom am seichtesten ist, ist Kuba nicht fern. Einmal ist das Meer ruhig, wie ein schlafender Säugling, dann türmen sich Wogen auf, die fast Berge versetzen. Diese Gegensätze finden in den karibischen Menschen ihre Entsprechung. Sie schöpfen Wortburgen, deklamieren grossartig, versenken Feinde mit Worten und heben Freunde mit ihren gekäuselten Wortkaskaden in den Himmel.

Äquilibrist im Farbtopf

Fabelo

Äquilibrist im Farbtopf

Ein intimer Kenner des Malers Roberto Fabelo erzählt, der Hofhund habe gekläfft und gewedelt, als dieser im kubanischen Guáimaro (Camagüay), am 28. Januar 1950 auf die Welt kam. Das ist nicht verwunderlich. Fabelo gibt den Blick frei auf deformierte Leiber und bringt die Poesie des Zerfalls, der Schönheit und der gemalten Pestilenz auf die Leinwand. Fabelo reist mit Tine und Feder von der Insel in die grosse Welt, kommt immer wieder zurück, nicht wie andere, die sich in Kuba am Gedanken des Exils zerreiben. Der Maestro bleibt und glaubt, er gehöre nach jeder Reise noch mehr nach Kuba.

🔊 Hören Sie die Reportage
Che Guavera

Chronik eines Rebellen

Che Guavera

Che Guevara ist seit mehr als vier Jahrzehnten tot. Es geht dem Revolutionshelden aus Argentinien wie anderen Persönlichkeiten, die nach ihrem Tod eine enorme Breitenwirkung bewahren. Felix Rodriguez, Frontmann der CIA, erzählt in der folgenden Reportage, wie er 1967 vor Ort in Bolivien die Erschiessung des Rebellen erlebt- und beschleunigt hatte.

Azucar!Es darf geraucht werden

Azucar!Es darf geraucht werden

Seit Jahrhunderten taumelt Kuba im Schatten von zwei Produkten durch die Geschichte: Tabak und Zucker. Das süss-würzige Duo hat der grössten Antilleninsel Segen und viel Fluch gebracht. Nur Kinder essen Zucker pur. Der Rest ist Ernährungsanalphabetismus. Das zudringliche Korn ist nicht allein. Es schmeckt nur in Begleitung. Tabak steht für sich, ohne Raffinerie und Zentrifuge. Tabak ist Ein- und Ausatmen. Ex fumo dare lucem. Aus dem Rausch kommt Licht. Tabak ist der Stoff, der den Lungenbläschen an die Luft geht. Der Zucker hat nicht weniger Tücken. Ein Exzess von Glucose im Blut mache den Menschen blöde im Gehirn und grobschlächtig in den Muskeln, meint Fernando Ortiz, der grosse kubanische Zucker- und Tabak-Philosoph.

Fidel 82

Fidel 82

Fidel Castro hat lange Jahre der politischen Schwerkraft. Er musste sich schliesslich seinem Körper fügen. Fidel Castro hat ein halbes Jahrhundert von seiner Insel aus Weltpolitik gemacht. Das dürfe in Zukunft anders sein. Kuba nach Fidel Castro wird vermutlich bescheidener in der karibischen Geografie da stehen.

Kunst und Magie

Manuel Mendive - Multimedia-Artist, La Habana

Kunst und Magie

Farbe auf nackter Haut kann kleidsam sein. Der kubanische Künstler Manuel Medive bemalt Menschen, schickt sie auf Strassen und Plätze, lässt sie in Stoppelfelder spielen und tanzen. Bevor das Publikum die Kunst auf der Haut deuten kann, zerfliessen die Farben im schweisstreiben Klima.

Tarzan in Kuba

Tarzan in Kuba

Im kubanischen Hinterland wird wird wie wild Cigar geraucht. Man verbrennt nicht die edlen Longfiller, die für gutes Geld in den Export gehen. Kuba produziert auch mindere Cigars für den nationalen Konsum. Gedreht wird nicht in malerischen Manufakturen; eher in fabrikähnlichen Hallen, wo keine Bukolik und keine Verklärung aufkommen kann.

Radio-Berichte und Reportagen

Text-Reportagen und Berichte