America
Nicaragua
Zum Tod von Ernesto Cardenal
Ernesto Cardenal
(1925-2020)
Bevor Ernesto Cardenal das Podium als Revolutionär und Kulturminister der Sandinisten betrat, schrieb er Psalmen in seiner religiösen Frühversenkung. Die vielleicht bekanntesten Psalmen der biblischen Dichtung stammen vom David. Cardenal sang die Lieder des sandinistischen Glaubens und des Lobes, bis in aller Welt klar wurde, dass Daniel Ortega aus den einst guten Absichten eine Diktatur in Nikaragua formte. In der nikaraguanischen Zeitgeschichte siegte Goliath, nicht David. Papst Paul II. entzog Cardenal das Priesteramt, Papst Franziskus gab ihm diese Würde mit eingeschriebener Post fast am Ende seines Lebens wieder zurück. Ernesto Cardenal, Abkömmling einer begüterten Familie, beging in seinem fünfundneunzig Jahre langen Leben einen atemberaubenden Weg. Nach seinem Bruch mit dem Sandinismus von Präsident Ortega hob er seine prophetische Bedeutung in den späten Jahren lautstark hervor. Seine Gegner, die Sandinisten, zeigten sich gegenüber Ernesto Cardenal unerbittlich. Eine Horde mit schwarz-roten Fahnen machten ihn anlässlich seiner Bestattung in der Kathedrale von Managua lautstark und mit sandinistischen Parolen ein letztes Mal nieder. Präsident Daniel Ortega verordnete eine dreitägige Staatstrauer in Nikaragua. Wer seine Dichter und Denker in einem sakralen Raum verhöhnt, zeigt sein wahres Gesicht.
Revolution von Fall zu Fall
Vor dreissig Jahren gaben die Kämpfer der sandinistischen Befreiungsbewegung, FSLN, der nikaraguanischen Geschichte mit ihrer Revolultion eine neue Richtung. Ein Mann hat alles ausgesessen: Daniel Ortega, Comandante Ortega, wie er sich noch immer gerne nennt. Viermal hat er nach seiner Abwahl von 1990 kandidiert. Vor zwei Jahren schaffte es Ortega erneut, sich vom Volk als Staatschef wählen zu lassen. Für seinen Plan war ihm jedes Mittel recht.
Ein Begehungsversuch
Land der Vulkane
Vulkane prägen Nikaragua und seine Menschen. Vulkane sind unberechenbar und geheimnisvoll. Vulkane haben in Nikaragua, das vor 30 Jahren eine politische und soziale Revolution erlebt hat, auch eine allegorische Bedeutung. Lange geschieht nichts; es rumort nur im Untergrund; da ein Rauch, dort etwas Schwefeldampf – und plötzlich bricht er aus, der Vulkan. Er ist durch nichts aufzuhalten.
Die Geschichte von Faustino
Handwerk ohne Boden
Faustino sieht sein Land tiefenscharf. Er ist alt genug, um sich an die bärtigen Helden von damals zu erinnen, welche vor 30 Jahren die Somoza-Diktatur mit Waffengewalt beseitigt hatten. Faustino bekam damals, in allgemeinen Aufbruch eine Chance, zog aus, um etwas zu werden. Er bekam einen Studienplatz für Maschinenbau in der Deutschen Demokratischen Republik. Faustino erzählt in seinem gebrochenen Deutsch, wie er den Aufbruch und seine Heimkehr nach Nikaragua erlebte.
La Catedral
Gott in Managua
In Managua steht in einem weiten Park eine monumentale Kathedrale, die nicht zum sonst so armen Land passen will. Der Neubau ermöglichte ein us-amerikanischer Gönner. Er spendete einen hohen Betrag, und ein mexikanischer Stararchitekt plante das neue Gotteshaus, das zu Beginn der neunziger Jahre in Rekordzeit hochgezogen wurde. Die Kontroverse über die neue Kathedrale halten bis heute an. Auf Kirchenbesuch in Managua.
El Mercado Oriental, Managua
Markt und Volkshochschule
In Managua ist der grösste ambulante Markt von Zentralamerika angesiedelt, der Mercado Oriental. Der Markt liegt in einer unsicheren Gegend, weist Tausende von Ständen auf und erstreckt sich über eine riesige Fläche. Im orientalischen Markt gibt es alles, vom lebenden Tier bis zum importierten Parfüm. Hier bestimmt der informelle Sektor des Landes den Takt. Der Markt ist Lebensnerv, wo gefeilscht und gehandelt wird. Der Markt ist Seismograph und Resonanzkörper des ganzen Landes. Eine Einkaufstour.
Die guten Schuldnerinnen von Nikaragua
Nikaragua gehört neben El Salvador zu jenen Ländern des amerikanischen Kontinents, die pro Kopf der Bevölkerung am meisten Entwicklungshilfe von Geberstaaten erhalten. Frauen gehen besonders nachhaltig mit Hilfe um. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert in Nikaragua Mikrokredite für Frauen. Weil diese traditionell über keine eigenen Werte verfügen, bürgen die Frauen solidarisch untereinander.
Frauen sind gute Investorinnen
PROMIFIN unterstützt Mikrofinanzinstitute, die Finanzdienstleistungen für arme Bevölkerungsgruppen in städtischen und ländlichen Regionen erbringen. Ziel des Programmes ist, diese Institute finanziell unabhängig zu machen, damit sie mit ihrem lokalen Wissen ihr Angebot an Finanzprodukten verbessern können. Bei der Umsetzung dieses Ziels arbeitet PROMIFIN eng mit den Behörden, privaten Institutionen und der Gebergemeinde zusammen. Die Deza finanziert Prominfin.
Reiseland Nikaragua
Salzburg und die Stadt León in Nikaragua verbindet seit 25 Jahren eine Städtepartnerschaft. Fünf Jahre nach dem Sieg der sandinistischen Revolutionäre begann Salzburg, in Leon Schul-, Gesundheits- und Wasserprojekte zu unterstützen und den Studentenaustausch zu fördern. Heute versucht León sein touristisches Potential auszuschöpfen. Barbara Breidenbach, eine Tourismusfachfrau aus Salzburg, hat vor Ort die touristischen Möglichkeiten von Leon und der weiteren Umgebung untersucht.
Historia fotográfica de un sueño roto
El 19 de julio se cumplieron 30 años de la Revolución Sandinista. La fotógrafa suiza Olivia Heussler acaba de publicar un libro que recorre los últimos treinta años de la historia atormentada del país centroamericano. ... d e u t s c h
Olivia Heussleren la web
30 Jahre Sandinismus in Nikaragua
Rigoberta Menchu in Managua
Rigoberta Menchu, die Friedensnobelpreisträgerin aus Guatemala, reiste am 19. Juli 2009 zum 30. Jahrestag der sandinistischen Revolution (oder was von ihr übrig geblieben ist) nach Managua. Sie hielt eine improvisierte Rede vor hunderttausenden von Nikaraguanerinnen und Nikaraguaner, welche die Revolution nur als geschichtliches Ereignis kennen.
Nicaragua libre?
Revolution und Evolution
Nicaragua erlebt seit 1979 enorme soziale, politische und gesellschaftliche Umwälzungen. Die Sandinisten fegten 1979 das verhasste Somoza-Regime weg. Die FMLN-Rebellen, einmal am Ruder und die geballte Macht der USA im Nacken, waren Ihrer Aufgaben kaum gewachsen. Was ausserordentlich ist: Die Sandinisten liessen sich an der Urne abwählen. Das hatte es in der neueren lateinamerikanischen Geschichte noch nie gegeben. Nach zwei gescheiterten Versuchen ist der Wortführer der Sandinisten, Daniel Ortega, erneut an der Macht.
Das historische Gespräch
Comandante Cero - Eden Pastroa
Eden Pastora war an vordester Front dabei, als die Sandinisten in Nicaragua am 22. August 1978 den Nationalpalast in Managua angriffen und damit der Militärdiktatur von Anastasio Somoza Debayle ein Ende setzten. Später überwarf sich Pastora mit den Sandinisten und bekämpfte sie aufs Blut mit einer Guerillaarmee an der Südfront von Nikaragua. Heute wohnt Eden Pastroa in Managua einen Steinwurf entfernt von seinem einstigen Todfeind, Daniel Ortega, der zur Zeit Staatspräsident von Nicaragua ist. Hören Sie einen Ausschnitt des Gesprächs, das ich mit Pastora am 19. September 2001 in Managua geführt habe.

