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Dettlings Blog (2012)

Kommentare und Beobachtungen aus dem Jahr 2012.

Vom Wachstum und dem Leisten aus Leidenschaft – Achtung Halunken
9. 11.2012

Vom Wachstum und dem Leisten aus Leidenschaft – Achtung Halunken

Jemand hat der UBS ins Handwerk gepfuscht. Jetzt sollen wir ins Anlegen hineinwachsen, versucht uns die UBS auf ihrer grossflächigen Werbung zu verkaufen; wachsen wie das Häuflein Dreck mit dem Pflänzlein, das aus dem weissen Nichts, aus der Spekulation, ohne Untergrund zu lausigen zwei Prozent Zins führen soll. Die Quittung des Publikums, der Konsumenten, kommt sofort. "Wir werden nicht ruhen", heisst es auf dem Plakat. Nicht ruhen, was zu tun? F ür u n s Anleger zwei Prozent Zins zu erwirtchafen? Is this comedy? Die Antwort verschweigt uns die Bank, warum sie nicht ruhen will.

Meine Damen und Herren. You can fool some of the people all of the time, and all of the people some of the time, but you can not fool all of the people all of the time (Abraham Lincoln)."Halunken", hat jemand auf das Plakat geschrieben, das in einem suburbanen Millieu einer grössseren Schweizer Stadt hängt. (Sorry. Ich war es nicht. Diese Art von Aktivismus mit dem grossen Filzstift verbietet mir mein publizistisches Ethos- und der Berufsstolz.) Die Realsatire liefert das Leben, die UBS selbst. Da muss man nicht nachhelfen, nichts dazu tun. "Wir werden nicht ruhen". Auch durchgestrichen. Schon ergibt sich eine neue Botschaft, ohne UBS-Anlageplan. Und das Logo der UBS ist schwarz durchkreuzt. Wir sehen jetzt, worauf die Botschaft hinaus will. Einen Slogan wie diesen würde selbst eine Gärtnerei ablehnen. Gärtner verstehen in der Regel etwas von ihrem Handwerk.

Wer ein solches Plakat im Hause UBS druchwinkt, hat keinen, gar keinen, Null-Kontakt zu den Leuten mit Bodenhaftung. Die UBS-Botschaft „Wachsen sie ins Anlegen hinein“, wurde durch eine frühere, noch peinlichere Kampagne der Deutschen Bank getoppt. Die Deutsche Bank dichtete in einem Werbe-Slogan den Schwachsinn: „Leistung aus Leidenschaft“. Das verleitete den Schweizer Theologen Hans Küng zu den Fragen: „Wer leidet denn? Der Konzern, das Topmanagement, die Bankberater? Leidenschaft wofür?“ „Leidenschaft“, sagt Küng, „ist vom Verstand schwer zu steuern.“ Und wenn die Banker die Leidenschaft nicht steuern, wer steuert sie denn?

Liebe Banker. Wacht auf. Erzählt uns keinen Schwachsinn. Holt meinetwegen Dichter und Denker, welche für euch Slogans schreiben, wofür ihr euch nicht schämen müsst. "Wachsen Sie ins Anlegen hinein" geht gar nicht. Sieht doch jeder. Sonst geht es wie dem UBS-Plakat, das von der Basis her auf das zurückgestuft, zusammengestrichen wird, was es ist: Schrott. Realsatire.

Durchfall bei Skyfall

Nur für Personenberechtigte:

Durchfall bei Skyfall

28. Oktober 2012

Man kann auch zugeben, dass man nachlässt (ab 12 Jahren)

Sie ist weg/ Sie beide wissen, was auf dem Spiel steht/Es ist nicht mehr viel Strasse übrig/Verdammt/Schiessen sie/Was sagt man über so einen Mann/Vor drei Monaten haben sie die Festplatte mit allen Agenten, die weltweit in terroristischen Vereinigungen eingeschleust wurden, verloren/007 meldet sich zum Dienst/Wo zum Teufel waren sie/Ich hab den Tod genossen/Ich habe nur eine Frage/Warum bleiben sie nicht tot/Man kann auch zugeben, dass man nachlässt/Sie war nicht ihr Ziel/Sie wollten, dass sie es sieht/Willkommen beim 9 A 6/Ich bin ihr neuer Quartiermeister/Das ist jetzt ein Scherz/ Oder/Walther PPKS 9 Millimeter/Kodiert auf ihren Handabdruck/Nur sie können sie abfeuern/Weniger eine willkürliche Mordmaschine/Mehr ein persönliches Statement/007 Ich möchte ihren Auftraggeber kennen lernen/Was wissen sie über Angst/Ich weiss alles/Die hier ist anders/Die kennt nur er/Sehen sie sich an/Spione jagen/England/MI 6/Sie hat sie auf mich gehetzt, obwohl sie wusste, dass sie noch nicht bereit sind/Und vielleicht sterben/Mami war sehr böse/ Die zwei Überlebenden/Das hat sie aus uns gemacht/Jeder braucht ein Hobby/Und was ist ihrs/Auferstehung.

Der deutsche Sprachbrei im Trailer zum neuen Bond-Film Skyfall scheint babylonischer Unsinn; bis die Bilder und die Buchstaben zu einem kompakten Agentenkompott verrührt werden. Dann geht es los mit den Verfolgungsjagden, den cinematografischen Terrorattakten, den Morden, den schwachstrom-keuschen Romanzen, dem empirischen Patriotismus, dem Star-War auf Sparflamme - James Bond eben - for the general public.

Die Jugendfilmkommission (JFK) hält fest, welche, unter anderen Kriterien, für die Freigabe für Filme ab 12 Jahren gelten. Dazu zählen die Überreizung im Bereich der visuellen oder auditiven Sinneswahrnehmung, Angst, Verstörung(sgrad), emotionaler Schock, Verständlichkeit der Filmhandlung in Bezug auf filmsprachliche Mittel, offenes Ende, Identifikationsfiguren, Rollenverhalten, Konfliktlösungsmodelle, schwere Desorientierung in Bezug auf die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Nichtbestrafung von Straftaten, Selbstjustiz, Steigerung der Gewaltbereitschaft durch Filminhalte bzw. Abstumpfung gegenüber Gewalt, Verletzung des Anstands und gesellschaftlich akzeptierter Tabus, positive Darstellung von Drogen- und Alkoholkonsum. Unter der Altersfreigabe versteht man die vom Gesetzgeber geregelte Freigabe von Filmen, Computerspielen und Musik für Kinder und Jugendliche, ab einem bestimmten. Filme, die im Kino ab 12 Jahren freigegeben sind, dürfen in Begleitung so genannter Personensorgeberechtigter bereits von Kindern ab 6 Jahren besucht werden.

Fidel Castro lebt... reist nicht

21. 10. 2012

Fidel Castro lebt... reist nicht

Jetzt ist er wieder da, Fidel Castro, mit Strohhut und in Begleitung seiner Gemahlin, Dalia Soto del Valle, nachdem er mit Elías Jaua, dem ehemaligen Vizepräsidenten von Venezuela, in Havanna stundenlang geredet haben soll.

Die Gerüchte über den Tod von Fidel Castro haben sich erneut als gezielte Desinformation erwiesen. Dutzende Male schon haben ihn seine Gegner als tot rapporitiert. Immer war die Meldung falsch, gezielt falsch. Hinter dem Unterfangen steht, leicht durchschaubar, ein einfaches Kalkül. Man will prüfen, ob die Kubaner sich plötzlich erheben, rebellieren und in eine neue Zeit marschieren. So funktioniert Kuba nicht. Noch nicht.

In Havanna zirkuliert nach dem Wiederaufscheinen des pensionierten, weit über achtzig jährigen Comandanten Castro, ein Witz. Warum kann Fidel nicht sterben? Ganz einfach. Sein Bruder Raul stellt ihm keinen Pass für die Reise in die Ewigkeit aus.

Ganz Kuba soll ab Mitte Januar nächsten Jahres ins Ausland reisen können. So will es ein neues Dekret. Zwischen Dekret und dem magischen Realismus in Kuba liegen Illusionen. Die kubanische Führung wird nichts unternehmen, was sie destabilisiert. Wer in Analogie an den Fall der Berliner Mauerl 1989 glaubt, halb Kuba schmeisse sich ins Meer, renne zum Flughafen, liegt kaum richtig.

Erinnern wir uns. Vor ein paar Jahren hat Raul Castro seinen Bürgern erlaubt, Devisenhotels in Kuba auf eigene Rechnung zu buchen. Deshalb wurden die 4- und 5-Stern-Hotels auch nicht mit zahlungskräftigen KubanerInnen überrannt. Bei der gefesselten, neuen Reisefreiheit wird es nicht anders sein. Ganz wenige Kubaner können mit Löhnen, die um 20 US-Dollar monatlich liegen, eine grössere Reise ins Ausland unternehmen. Wer denn das Geld trotzdem haben sollte, muss bestimmt den rechtmässigen Besitz der Devisen belegen können, seit kubanische Staatsbürger überhaupt, und das ist das Neue, mit eigenen Mitteln ausreisen können.

Die kubanischen Behörden werden die Oberhand über Auslandreisen ihrer Bürger auf gar keinen Fall aus der Hand geben. Wer neu ausreisen will, muss, klar, einen Reisepass beantragen und diesen alle Pfiffe wieder neu beglaubigen, validieren lassen. Mit Reisefreiheit hat das wenig zu tun. Und wenn „die Revolution“ entscheidet, dass ihr „Humankapital“ - Ärzte, Ingenieure, und Sporttrainer - im Land bleiben soll, werden diese hochqualifizierten Fachkräfte nicht reisen.

Was wird mit der unglaublichen kubanischen Resource von TänzerInnen, Musikern und Wissenschaftern sein? Eigenartig. Mit der neuen Reiseordnung in Kuba werden vermutlich die Privilegierten ein Problem haben, weniger die normal geschulten BürgerInnen.

Und Fidel Castro: Wird er reisen? Fidel ist immer noch Kader, Mitdenker, Eminenz am Stock. Sein Bruder Raul wird ihm kaum den Pass fürs Ausland oder für den Aufstieg in die Ewigkeit ausstellen wollen.

EU und Friedensnobelpreis 2012

Wir sind Friedensnobelpreisträger

17. 10. 2012

Die EU-Gipfel jagen sich, die Finanzexperten reden von Krieg: "Genau drei Jahre ist es her, seit die griechische Bombe platzte"... steht in der Zeitung. (...) "Die ständigen Kampagnen und Angriffe gegen den Euro (...). Griechenland in der Defensive...(...) "Den Euro verteidigen"...Kriegsrethorik. Kein Wunder, dass das Nobelkomitee der EU als Institution den Friedensnobelpreis verleiht. Es ist Krieg. Wirtschaftskrieg. Doch wie soll die EU diesen Kriegsherd bändigen, wenn sie mit einem Land, das zwei Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone generiert, nicht klar kommt? Wo sind die Feldherren- und Damen, denen zu diesem Krieg die richtige Abwehr einfällt? Was wird kommen, wenn die grossen Subjekte der Krise, Spanien, Portugal, Frankreich, in diesen Krieg hineingezogen werden? Was wird dann aus dem Friedensnobelpreis? Der Krieg drängelt, Frau Merkel zögert.

Auf Patrouille
9.10.2012

Auf Patrouille

Kurzbesuch, Limassol, Zypern. Die Krise schwappt rüber vom geschüttelten griechischen Festland. Ich flaniere durch die Altstadt von Limassol, oder was von ihr noch da ist. Zwischen neuen Läden, Clubs und Boutiques, Restaurants und Cafés klaffen Lücken bankrotter Geschäfte, Staubschichten verhindern den Blick auf die geschlossenen, verlassenen Existenzgrundlagen. An der kilometerlangen Strandpromenade sehe ich Fischer. Aber nie hängt ein Fisch am Silk. Nach Einbruch der Nacht bestätigt sich die Vermutung. In der Altstadt wohnt kaum mehr jemand, die oberen Stockwerke der Geschäfte sind dunkel, leer. Es bleibt die Hülle für den Kommerz. Leben, mediterranes Leben, sieht anders aus. Besonders trist schauen die Frauen aus, die bei 25 Grad Celsius nachts Pelze verkaufen für die russische Kundschaft aus Minsk, die an den Stränden von Limassol patrouilliert. Was leidlich lebt ist die Neustadt aus Glas. Und keine Flugstunde entfernt wird scharf geschossen, in Aleppo.

Die Kunst des Augenreibens

Helvetistan und Turkmenistan

8.10.2012

Noch immer gilt die Einschätzung, die Präsident Franklin D. Roosevelt einst gemacht hatte, wenn es um strategische Entscheide geht, mit welchen Regierungen ein Land Kontakt pflegt: „Es ist nicht wichtig“, meinte der amerikanische Präsident sinngemäss, „ob ein Leader ein Hurensohn ist. Wichtig ist nur, dass er unser Hurensohn ist.“ Das ist der politische Pragmatismus von damals und das ist offenbar noch immer der politische Pragmatismus von heute. Ähnlich Besuch des turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdymuchammedow in der Schweiz zu werten. Die Politik und wirtschaftliche Interessen gehen über Leichen. Turkmenistan gebietet über grosse Erdgas- und Erdöl-Vorräte. Warum ein Land wie die Schweiz mit einem grossen Auftritt von Gurbanguly Berdymuchammedow in Bern seinen guten Ruf aufs Spiel setzt, ist im Land und ausserhalb schwer nachvollziehbar.

Schon heute ist absehbar - wie bei Herrschen vom Schlage eines Saddam Hussein, Hosni Mubarak, Muammar Muhammad Abu Minyar al-Gaddafi, Zine el-Abidine Ben Ali , Marcos oder eines Schah von Persien: Erst im Nachhinein, wenn einst die ganze Wahrheit über einen diktatorischen Herrscher ans Licht kommt, reibt man sich die Augen, mit wem man es geschäftlich und politisch zu tun hatte, mit wem man versuchte, auf dem glitschigen Parkett der Weltpolitik gemeinsame Sache zu machen. Die Schweiz braucht diese Erfahrung nicht. Die Welt weiss heute, wer Gurbanguly Berdymuchammedow ist und wofür er steht.

Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf empfing Präsident Gurbanguly Berdymuchammedow auf dem Landgut Lohn in Kehrsatz mit Pauken und Trompeten. Die SDA sprach von konstruktiven Gesprächen zwischen den beiden. Im Vordergrund stand der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Turkmenistan. Konkret ging es um Tourismus und um Investitionen von Schweizer Firmen im gas- und erdölreichen Land. Berdymuchammedow reiste mit einer Delegation von rund 50 Personen an. Die Schweizer Exporte in das zentralasiatische Land beliefen sich letztes Jahr (2011) auf nur 21 Millionen Franken.

Die Gastgeber und Gurbanguly Berdymuchammedow waren sich nicht einig über die Anzahl Schweizer Firmen im Land. Das EDA sprach von 15, Gurbanguly Berdymuchammedow von 33 Firmen mit Geschäftsbeziehungen. Eines der Schweizer Unternehmen ist die Ammann Group mit Sitz in Langenthal BE. Diese auf Strassenbaumaschinen spezialisierte Firma ist in Turkmenistan mit Asphalt-Mischanlagen und Verdichtungsmaschinen im Geschäft. Die Schweiz und Turkmenistan unterzeichneten Doppelbesteuerungsabkommen (DPA), man sprach über Zusammenarbeit der beiden Länder in multilateralen Gremien. Turkmenistan gehört der von der Schweiz geführten Stimmrechtsgruppe «Helvetistan» in den Bretton-Woods-Institutionen (IWF und Weltbank) an.

Ein weiterer Staatschef von „Helvetistan“, Präsident Bronislaw Komorowski aus Polen, weilte kurz nach Gurbanguly Berdymuchammedow auch auf Besuch in der Schweiz. Die Schweiz will mit Polen seinen Sitz im IWF-Exekutivrat teilen.

Turkmenistan und die Schweiz unterzeichneten anlässlich des Besuches eine Absichtserklärung und eine weitere zwischen dem Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik und dem Institut für Internationale Beziehungen des turkmenischen Aussenministeriums. Auch die Handelskammer Schweiz-Russland/GUS und die Handels- und Industriekammer Turkmenistans setzten ihre Unterschrift unter eine völkerrechtlich unverbindliche Absichtserklärung. An der gemeinsamen Medienkonferenz von Widmer- Schlumpf und Gurbanguly Berdymuchammedow waren nur ganz wenige Fragen erlaubt. Nachfragen war nicht erwünscht. Turkmenistan zählt zu den Ländern mit den repressivsten Mediengesetzen. In der Rangliste der Pressefreiheit rangiert Turkmenistan auf den hintersten Rängen, zusammen mit Nordkorea und Eritrea.

Die turkmenische Führung riegelt das Land gegen aussen ab. UNO- und Nichtregierungsorganisationen haben mit wenigen Ausnahmen seit Ende der 90er-Jahre keinen Zugang zu Turkmenistan. Kritiker werden unrechtmässig inhaftiert, es gibt eine rigorose Reisebeschränkung für die Bürger, der Zugang für Menschenrechtsorganisationen ist kaum möglich und die Meinungsäusserungs- und Medienfreiheit sind eingeschränkt. Berichte über Folter und Misshandlungen in turkmenischen Gefängnissen werden unterdrückt. Länder wie die Schweiz, welche mit Turkmenistan Handelsbeziehungen unterhalten, haben eine hohe Verantwortung gegenüber dem repressiven Turkmenistan und müssen konkrete Forderungen im Bereich der Menschenrechte stellen.

Turkmenistan zählt unter der Führung von Präsident Gurbanguly Berdymukhamedov’s zu einem der repressivsten Länder der Erde. Das UN-Komittee gegen Folter hält in einem Bericht fest, in Turkmenistan würden Häftlinge routinemässig gefoltert, schlecht behandelt und auch zum Verschwinden gebracht. Präsident Gurbanguly Berdymukhamedov pflegt einen intensiven Personenkult. Er und seine Verwandten und Zuträger kontrollieren die meisten Aspekte des öffentlichen Lebens. Ausser der Demokratischen Partei des Präsidenten gibt es keine politische Gruppierung mit realer Macht im Land. NGOs sind in Turkmenistan kaum zugelassen. Kritische Aktivisten und Journalisten werden verfolgt. Der Geheimdienst des Landes schüchtert Aktivisten ein mit dem Ziel, dass sich deren Vertreter nicht mit Delegationen aus dem Ausland treffen. Der Internetzugang für die Bürger ist beschränkt und wird streng überwacht. Es gibt nur einen staatlichen Anbieter. Websites von Oppositionsgruppen werden blockiert. Wer in Internetcafes surfen will, muss sich mit dem Pass ausweisen. Zahlreiche vom Regime Verdächtigte werden überwacht und abgehört.

Im August 2011 mussten im Land Satelliten-Schüsseln entfernt werden, aus ästhetischen Gründen, wie es offiziell hiess. Die Anschlüsse wurden durch das Kabelfernsehen ersetzt mit dem Ziel, die totale Kontrolle über die elektronischen Medien zu erlangen. In Turkmenistan ist die Bewegungsfreitheit und das Recht zu reisen in der Praxis eingeschränkt. Betroffen davon sind Studenten und auch Vertreter von Regierungsorganisationen. Es gibt in der Praxis keine Religionsfreiheit. Eine unbekannte Anzahl Menschen werden aus politischen Motiven festgehalten. Die Gerichtsbarkeit im Land ist nicht transparent, es gibt Schauprozesse und von der Öffentlichkeit abgeschottete Gerichtsverfahren. Die Regierung verwehrt dem IKRK und UN-Organisationen Zugang zu politischen Häftlingen.

Ab nach Usedom

Virtuell reisen

Ab nach Usedom

5.10.2012

Am Zürcher Bahnhof in Stadelhofen gibt es eine virtuelle Reise. Der Strandkorb von Usedom mit allem ist da. Und eine Plakatwand gibt auch den Blick auf das Meer frei. Ein Zeitgenosse nutzt die kurlige Konstellation in der Bahnhofhalle. Die Züge gurgeln, die Menschenwelle der Pendler rollt herein, das wilde urbane Leben weht vom Vorplatz durch die Halle in seinen Standkorb. Was will Mann mehr. Diese Reise dauert genau so lange, wie Mann sich wohlfühlt. Dann steht er auf, schmeisst die Broschüre in den Müll... und pendelt nach Hause und träumt von...Usedom.

Es brennt

Biedermänner und Brandstifter

Es brennt

29. 9.2012

Zwei freiwillige Feuerwehrmänner diskutieren im S-Bahn-Abteil über Brände. "Wenn wir merken, dass ein Bau nicht mehr zu retten ist, haben wir die Weisung, das Gebäude total abbrennen zu lassen, nicht mehr weiter zu löschen." "Warum?" "Sonst entstehen am Schluss noch Kosten für den Rückbau.“

Die EZB ist jetzt dabei, einen europäischen Rückbau zu finanzieren, einen Bau also, der lichterloh brennt. Wird das Wasser reichen, ist auf den Schläuchen genug Druck? Auch die Feuerwehr weiss dass nicht. Denn die EU leistete sich bei der Gründung keine europäische Feuerwehr. Das rächt sich.

Spaziergänger

Kunst am Bau

Spaziergänger

24.9.2012

Er steht seit Monaten am Eingang eines öffentlichen Gebäudes in Zürich. Was einst in Zürich als Delikt an Mauern, Durchgängen, Tunnel, Tür und Tor geahndet wurde, lässt diese öffentliche Hand heute stehen. Erkennt diese Ö-Hand den Wert der Zeichnung, der Figur? Gesprayt ist sie nicht, wie damals, als ein gewisser Herr Nägeli die Stadt mit seiner Spraydose bereicherte. Unser Spaziergänger ist gepinselt, in Eile, aber mit sicherer Hand. Warten wir ab, wie gut er altert an der Wand, bis es der öffentlichen Hand zuviel wird, und den Spazierer übermalt, abdeckt, wegmacht, entfernt, säubert, überstreicht. Gelitten hat das Werk bereits. Das gepinselte Leben der Figur hatte einen Anfang, vermutlich in einer Nacht, und wird bei hellem Tag sein Ende finden.

Die Vergütungs-Poesie der Banker

Wege zum Glück

22.9.2012

Wenn die ganz Grossen aus der Welt des Geldes und des Geistes darüber reden, wo das Glück wohnt, wird es spät; so spät, bis der grösste Radiomoderator im bekannten Teil des Universums, erster Radio-Pirat der Schweiz und Titularmoderador der ersten TV-Talk-Show der Schweizer Woche zum fragenden Wort greift. Der ehemalige Chef-UBS-Bankier Oswald Grübel gibt dabei prägnant preis, dass Geld nicht glücklich macht. Hören und sehen sie selbst. (mehr...)

Replik auf: NZZ 21. September 2012, Seite 13 - "Ohne Mann geht es nicht"

Journalistische Gebrauchs-Lyrik

21.9. 2012

Regenbogenfamilien

Leben

In der Traufe

Trainiert die Braut

Ihr Wunsch nach Kind geht

Unter die Haut

Blond das Haar

Zwischen rauschenden

Bäumen im Reihenhaus

Keimen Traum und Wunsch

nach Kind, Saus und Braus

Zwei Fraun ohne Mann

Wolln Familie sein und dann

Manuell injiziert nach Erguss mit Spritze

Kollegensamen wächst

Kind entsteht - ohne Vaternamen

Verträge Regeln Recht und Pflicht

Was zählt ist Talent

Nicht Aliment

Kein Recht, keine Pflicht

Vater spricht:

Ich schütz mich vor Emotion

Mein Kind, mein Kind

Schweig, sag keinen Ton

Vormund und Sozialamt

Vater-Frau und Mutterfrau

Der Staat sieht grau

Staat Holt Beistand

Und Verstand?

Vater-Frau und Mutter-Frau

Herrenloses Kindlein lebt

Familie, Angewandte und Bekannte

Schauen, hüten, pflegen

Bäume rauschen

Vater-Frau und Mutter-Frau

Träumen neu vom zweiten Kind

Leben geht

Leben entsteht

Injiziert nach Erguss, Becher und Spritze

neues Kindlein

wächst

ohne Witze

18.9.2012

Kino-Film:Hope Springs: – Sprungfedern zum Glück?

Was für ein einfältig schöner Film, der ohne die Besetzung der Hauptrollen mit Meryl Streep und Tommy Lee Jones bestimmt ins Unendliche abgeschifft wäre. Der Film kommt als romantische Beziehungskomödie auf die Leinwand. Der Streifen ist von bedrückender Biederkeit, angesiedelt auf dem amerikanischen Land, wo sich ein älteres Ehepaar in Omaha zwischen Spiegeleier, Frückstückspeck und abgestandener Zweisamkeit aufmacht, seine ramponierte Beziehung wahlweise zu kitten und zu reparieren. Im Kinosaal (Corso, Zürich) lacht das Publikum reichlich und fast geschlechtergetrennt. Einmal heulen die Frauen auf, dann die Männer. Es hat gendermässig für alle eine Pointe. Stellen wir uns die globale Zweierkiste wirklich so grob gestrickt vor, oder geniessen wir einfach die einfache, beklemmende Handlung und den lieblichen Ausgang des Films? Aus Amerika haben wir schon Tieferes zum Thema Ehe und Beziehung bekommen. Denken wir an Elizabeth Taylor und an Richard Burton in „Who is afraid of Virginia Woolf.“ Das war auch keine Liebekomödie, das war Drama pur, Drama, so wie es im richtigen und leibhaftigen Leben zugeht. „Hope Springs“ ist nur Holzschnitt von Beziehung und Tiefe.

Directed by David Frankel; music by Theodore Shapiro; released by Columbia Pictures, Mandate Pictures and Metro-Goldwyn-Mayer Pictures. Running time: 1 hour 32 minutes. With: Meryl Streep (Kay), Tommy Lee Jones (Arnold), Steve Carell (Dr. Feld). 2012

Schweizer Radio DRS II und die Kultur des Sparens

Kürzer, schneller, billiger, günstiger, preiswerter, optimierter

15. 9. 2012

Die NZZ am Sonntag schreibt: "Im November 2012 soll beim behäbigen Sender (DRS II) kein Stein mehr auf dem anderen bleiben." Als Folge der grossen Konvergenz zwischen Radio DRS und Schweizer Fernsehen SRF werde das Programm neue ausgerichtet. Die Sendung "Altlas" über Länder, ihre Musik und Kultur werde eingestellt, liest man. Es wird optimiert, wo man kann, zum Beispiel bei der halbstündigen Sendung "Reflexe". Betrug die bisherige Vorbereitungszeit 3,5 Arbeitstage, stehen den Machern jetzt noch eineinhalb Tage zur Verfügung. Alle, die brav ihre Konzession zahlen, gehen selbstverständlich davon aus, dass die Qualität der Sendung gleich gut bleibt, das ist ja klar. Oder?

Zu den Folgen eines talentfreien Schmähfilms

Wenn alle in die Röhre gucken

14. 9. 2012

Ein verurteilter Checkbetrüger produziert und veröffentlicht im Juli 2012 unter einem Pseudonym ein Produkt aus bewegten Bildern und Ton, das er für einen Film hält. Ein Gehülfe dieses Checkbetrügers, ein ägyptischer Moderator eines islamischen TV-Kanals, bringt am 8. September 2012 Ausschnitte einen in arabischer Sprache untertitelten Ausschnitt dieses unter jedem Aspekt (Plot, Ton, Handlung, Inhalt, Plausbilität der Story) total talentfreien und wertlosen Filmprodukts. Bald erscheint davon ein zwölfminütiger Ausschnitt auf youtube, und die Hölle bricht los. Proteste, die in Kairo begannen, auf das libysche Benghasi übergriffen, sich fortpflanzten in Marokko, Tunesien, Sudan, Bangladesh, Afghanistan, Pakistan und in anderen Staaten der arabischen Welt, entwickelten sich zu einer eigentlichen Feuer- und Zerstörungswalze, vornehmlich gegen amerikanische aber auch gegen Botschaften, Konsulate und andere Einrichtungen westlicher Staaten.

Menschen kamen dabei zu Tode. Was sagt uns diese Geschichte? Ein in seiner Machart in allein Teilen irrelevanter, nicht ernst zu nehmender Film über den Propheten Mohammed kann einen Teil der Welt entzünden. Es handelt sich um ein hirnloses Low-Budget-Produkt ohne Tiefgang und Konsistenz. Als Brandbeschleuniger bei dieser Tragödie wirkt youtube. Wir sehen, dass youtube mächtiger, direkter, zerstörender und manipulierender eingesetzt werden kann als jeder Eurofighter, als jede Brandbombe, als jedes hoch bewaffnete Kommando, komme es woher es komme.

Die Verantwortlichen von youtube (gibt es Verantwortliche? Wie heissen sie?) meinen, man könne niemand für das Fanal belangen, das sich vor unser aller Augen abspielt. Sie reden von Meinungsäusserungsfreiheit und von der Dynamik der digitalen Kommunikationsgesellschaft. Anything goes. Hauptsache es werden clicks und damit Werbevolumen produziert. Welche Hektabombe wird losgehen, wenn sich Personen, die etwas von ihrem Handwerk verstehen, filmische Feuerwerke entfachen, die sich ernsthaft und warum nicht, kritisch mit dem Propheten Mohammend auseinandersetzen? Auf hohem Niveau. Wie, wo und wann wird sich der anfänglich digitale Schaukampf in einen Feuerball wandeln, der leicht manipulierbare Massen erfasst und Tod, Zerstörung und Leid nach sich ziehen wird?

Nicht nur der Prophet Mohammed kann medial beleidigt, erniedrigt werden. War da nicht der Past der römisch-katholischen Kirche, der neulich gegen das deutsche Satiremagazin Titanic eine einstweilige Verfügung erwirken wollte, weil das Magazin den Heiligen Vater mit einem nassen Fleck im Schritt zeigte? Aus der Anklage wurde nichts. Der Heilige Stuhl entschied vermutlich, dass, wer sich in seiner Publizistik auf ein bestimmtes Niveau herablässt, seine Würde gar nicht mehr verteidigen muss, weil sie gar nicht mehr da ist. Im Fall der Papst-Kontroverse waren es die Publizistiker der Titanic GmbH & Co. KG., die ihre Würde verloren, nicht der Papst. Niemand muss oder sollte sich gegen publizistischen Schrott verteidigen.

iPhone 5 und Psychose

Use it or loose it

13.9. 2012

Ist dünner, länger und leichter besser? Das iPhone 5 ist raus. Und jetzt fachsimpeln sie wieder, die digital natives. Kommunizieren wir besser mit einem etwas grösseren Bildschirm im Format 16:9? Haben wir dadurch mehr Freunde oder nur mehr Kontakte? Wichtig ist doch nur, dass wir alles mit dem Daumen machen können. Die Welt ist im Daumen, und ist sie nicht im Daumen, dann ist sie nirgendwo. So wie im Märchen mit dem Däumling. Dort hatte ein iPhone sieben Kinder, das kleinste war nicht grösser als ein Daumen. Und der entwickelte sich nicht richtig. Darum brach eine heftige sms-Not aus und das iPhone beschloss, die sieben Kleinen dem schärfsten Konkurrenten zu überlassen, der den Plan belauschte. Die verkümmerten iPhones gingen in den Wald, schalteten die Tracing-Funktion ein und setzten sich in eine Höhle, bis sie ganz gross wurden und die Originale überholten und sie mit ihren eigenen Batterien erschlugen. So weit zum Märchen und jetzt zurück zum iPhone 5 und der schnellen Datenrate im LTE-Verfahren, pardon im Mobilfunk-Verfahren. Der stärkere Datendurchsatz in der Seele der kleinen Alleskönner fördert bestimmt auch die Durchsetzungkraft der iPhone 5-user in allen Etagen. Ist ja klar. Jetzt lassen sich neu ganze Teams kabellos schneller managen. iPhone 5 an und die halbe Arbeit ist im Kasten. Und das Ganze ist erst noch dünner und schmäler. A small new world mit 200 neuen Funktionen. Und bis die jeder user kennt, ist bald das iPhone 6 im Tunnel. Wichtig ist, dass man es hat - und braucht. Use it or loose it. Fertig? Los!

Wer Bücher verbrennt...

Vom Mammut zu Gorilla

9.9. 2012

Ich fahre beim lokalen Recycler mit dem Auto vor. Neben mir ein rotes Sportcoupé mit offenem Kofferraum. Ich trage einen schwarzen Koffer zu seinem Grab. Der Koffer ist zerbeult, das Schloss aufgebrochen. Er hat mich auf unzähligen Reisen begleitet. Der Koffer kommt auf die Waage. Zwei Franken 15 zahle ich für dessen Entsorgung. Wohin geht der Koffer? Wird er geschreddert, rieselt er schon in ein paar Stunden in Millionen Einzelteilen über ein Förderband?

Die Frau im Sportwagen neben mir spielt mit ihrer Zornfalte auf der Stirn, holt prächtige Bildbände aus dem Kofferrau und will die Bücher loswerden. „Mexiko heute“, „Ägypten“, „Indianer Südamerikas“, „vom Mammut zum Gorilla“, „Ozeanien“ und ähnliche Titel prangen auf den festen Deckeln der Farbbände. Sie alle gehen jetzt in den Abfall-Container auf ihre Reise zur Wiederverwertung.

Mein Koffer kostet 2,15 Franken für die Entsorgung, die Bücher sind gratis. Ihre Entsorgung kostet nichts. Die vorgezogene Entsorgungsgebühr ruht vielleicht als Erinnerung in den Schädeln der Menschen, welche die Bücher einst lasen. Sie liegen neben spektakulären Bänden über Architektur, Schund und Schrott, neben Trouvaillen in Schweinsleder und neben Romanen, die einst die Welt aufwühlten. Es sind Bücher, die Auskunft geben, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen. Sie alle sind jetzt nichts mehr wert. Liegen in der Mulde.