07. April 2009

Mais in Mexiko

Mais in Mexiko

Mexiko ist ohne Mais nicht denkbar. Mais ist im Land der Azteken Kultpflanze und Nahrungsmittel, Symbol für Identität und Gemeinsamkeit, Ausdruck von Kraft und Armut. Das Leben von Millionen Mexikanerinnen und Mexikaner hängt am Mais, weil sie davon jeden Tag essen, essen müssen, weil es manchmal nicht viel anderes zu essen gibt. Jeden Tag wiederholt sich in Stadt und Land millionenfach, dass Frauen in Hinterhöfen, kleinen Läden, Bäckereien das Maismehl benetzen, mit blossen Händen kneten, wenden, kneten wenden und aus diesem in den Menschen so tief verwurzelten Produkt eine Masse bilden, die vorerst formlos da liegt, dann in runde Fladen gepresst, gestanzt und auf einem heissen Blech zu einem köstlichen Lebensmittel erwärmt wird.

Frauen, Männer, Kinder, Ärzte, Bauern, Lehrer, Physiker und Strassenkehrer essen Tortilla, wie diese runden Fladen heissen, jeden Tag. Sie legen Fleisch, Reis, Avocado, Gemüse, Ei und sehr viel mehr auf den Fladen, drehen eine Rolle und beissen drauf, saugen, schmatzen, schlürfen Tortilla und Inhalt in den Mund. Mais ist in Mexiko Politikum. Seit es zwischen Mexiko, Kanada und den USA Freihandel gibt (1994), hat der Mais eine schwierige Karriere hingelegt. Mais ist in den USA günstiger, die Hektarerträge sind viel höher als in Mexiko. In Dakota und im Rest des amerikanischen Corn-Belts wird rationell und maschinell Mais produziert und geerntet. Mexiko kann damit nicht Schritt halten. Also wird der Mais importiert, massiv, billig und speditiv. Und die Entwicklung hält nicht still. Mexiko ist stolz auf seine hunderten von Maissorten. Das ist Monsanto & Co. egal. Genmais ist in Mexiko ein Thema wie anderswo auch. Nur ist der Schlag ins Gesicht der indigenen Bevölkerung heftiger, die seit Jahrtausenden Mais kultiviert, zelebriert, Mythen und Glauben mit dieser Pflanze verbindet, sie isst, sie liebt und schätzt. Welthandel und Globalisierung kümmern sich nicht um die inneren Werte der Nahrungsmittel; sie sind Comodities wie Stahl, Gold und Öl. Mais wird an den Rohstoffbörsen geschichtslos gehandelt. Was zählt ist die Oberfläche, der Kilo- und der Tonnenpreis, nicht Kultur, Geschichte, nicht Mythen und Glaube, sondern Dollars & Cents.