Tepoztlán, zwei Stunden im Süden der Hauptstadt, ist Kult- und Medizin-Zenrum für alternative Heilkunde. Die indigene Bevölkerung der Region hat ein grosses Wissen und ihre Jahrhunderte lange Erfahrung über die medizinische Wirkung von Pflanzen in unsere Zeit getragen. Bis heute gilt Tepoztlán als Ort der Hexer, Medizinmänner und Heiler. Heute gehen die Heiler pragmatisch und mit den Kommunikationsmittel unserer Zeit vor, fahren mit plärrenden Lautsprecher-Autos auf, preisen Salben, Tinkturen, natürliche Pastillen und Kräuter und vieles mehr an. In den kleinen Läden liegen unzählige Fläschchen und Heilmittel für alle vorstellbaren Leiden auf. Zwei alte und neue Krankheiten und ihre Heilung:
Krankheit der Lüfte
Die Lüfte, Wahrzeichen der alten Tlaloques, Götter des Regens, gelten als Geiser des Bösen. Heute sollen diese Geister als Heilzelmännchen weiter leben. Die Lüfte halten sich nahe am Wasser und bei Ameisenhaufen auf. Sie können Scherze machen aber auch Unheil bringen, das YEHYECAHUILIZTLI. Dieses Übel kann mit einer Waschung mit Eidotter, Nikotinblätter und Akelei geheilt werden. Weiter braucht es für die Heilung eine Gabe, die man am Ort hinterlegen muss, wo der Kranke das Übel aufgelesen hat. So lassen sich die aufgewühlten Lüfte wieder besänftigen.
Augenweh
Das Augenweh trifft vor allem Kinder. Es besteht darin, dass das Weinen nicht gestillt werden kann. Die Behandlung des unstillbaren Weinens geht über das Augenlid, das mit einer Tinktur bestrichen wird. Das Augenweh lösen Menschen mit verbittertem Herzen und bösem Blick aus. Man kann sich gegen dieses Übel auch mit Amuletten schützen. Die Kinder sprechen darauf an, wenn man ihre Augenlider mit Palmen- , Zeder- oder Kirschloberzweigen kitzelt und am Schluss mit dem Blätterzweig über dem Antlitz des kleinen Patienten ein Kreuz schlägt. Schliesslich zeichnet der Heiler mit dem Zweig die Umrisse des Verursachers des Augenwehs in den Sand und wirft dann den Zweig ins Feuer.